Erscheinungsort:         HandelsZeitung

Erscheinungsdatum:    21. Juli 2004

 

 

Studenten mit Potenzial

 

Unternehmertum - Zwei Drittel der Schweizer Studierenden  können sich vorstellen, einmal ein eigenes Unternehmen zu gründen.

 

Stefan Müller

 

Studierende an den Schweizer Hochschulen haben ein hohes unternehmerisches Potenzial. Zwar hat erst ein kleiner Teil der Studierenden (4,5%) effektiv bereits ein Unternehmen gegründet. 12,4% haben die feste Absicht dazu und die Hälfte der Befragten (52,2%) möchte "vielleicht" ein eigenes Geschäft auf die Beine stellen. Demnach sind über drei Fünftel aller Studierenden potenzielle Unternehmer.

 

Dies hat die in diesen Tagen erschienene Studie "Swiss Survey on Collegiate Entrepreneurship 2004" des Schweizerischen Instituts für Klein- und Mittelunternehmen sowie der Start Studentenschaft, beide an der Uni St. Gallen, festgestellt. Untersucht werden darin das Verhalten und die Absichten der Studierenden an sechs Universitäten und Fachhochschulen bezüglich Unternehmensgründungen.

 

Dabei wurden die Studierenden verschiedener Semester nach ihren Berufsplänen direkt nach dem Studium und fünf Jahre später befragt. Wie die Erhebung zeigt, gewinnt die unternehmerische Initiative in dieser Zeitspanne erheblich an Bedeutung. Während direkt nach der Ausbildung nur für wenige (7,4%), die Gründung eines eigenen Unternehmens in Frage kommt, können sich dies nach einigen Berufsjahren bereits viermal mehr (28,3%) vorstellen.

 

 

Startphase als Angestellte

 

Der zu Beginn  des Arbeitslebens noch vorherrschende Wunsch,  in einem Angestelltenverhältnis innerhalb eines Grossunternehmens respektive eines KMU zu arbeiten, schwächt sich ebenfalls ab. Immer mehr  - nämlich 14.5% - wollen nach ein paar Jahren einer freiberuflichen Tätigkeit nachgehen oder ein bestehendes Unternehmen übernehmen (7,5%). Weiter verlieren in der Fünfjahresperspektive der Wunsch nach einer Arbeit in der  die Forschung (14,5%) und im öffentlichen Dienst (14%) an Bedeutung.

 

Was jedoch bedeutet „Gründungsabsicht“ konkret?  Ein Viertel der Studierenden vermochte noch keinen Zeitpunkt für ihre geplante Unternehmensgründung anzugeben. Die grosse Mehrheit (69,8%) hingegen zieht die Gründung nach einigen Berufsjahren in Betracht. Eine Minderheit will bereits während dem Studium (2,8%) oder direkt nach dem Studium (3,3%) die Pforten eines eigenen Geschäftes öffnen.      

 

Doch Unternehmensgründungen erfordern eine längerfristige Vorbereitung, bis das Geschäftsmodell und die Leistungen (Produkte oder Dienstleistungen) „marktreif“ stehen. Die Untersuchung des Vorbereitungsstandes  bei den Studierenden ergibt,  dass mehr als die Hälfte der gründungswilligen Studierenden noch keinerlei Aktivitäten unternommen hat. Ein Drittel jedoch stellte bereits Überlegungen über eine mögliche Geschäftsidee an. 10% der Studierenden konkretisierten ihr Vorhaben schon soweit, dass erste Ideen schriftlich festgehalten respektive gründungsspezifische Informationen besorgt wurden.

 

 

Hürden überwinden

 

Die Studierenden hatten sich auch Gedanken gemacht, mit wem sie ein Unternehmen gründen würden. So gedenken die meisten (65,9%), sich mit Freunden und Bekannten zusammenzutun. Knapp die Hälfte

gäbe Studierenden der eigenen Hochschule den Vorrang. Nur ganz wenige würden das Vorhaben alleine anpacken. Alles Hinweise darauf, dass die persönliche Beziehung und damit eng verbunden das persönliche Vertrauen im Zentrum stehen müssen.

 

Als wesentliche Hürden für die Gründung eines Unternehmens sehen die Studierenden die finanziellen Mittel, die fehlenden Kundenkontakte, eine unausgegorene Businessidee oder mangelnden Mut. Die Mehrheit der Studierenden wünscht sich ferner Unterstützung von den Hochschulen, sei es in Form von Vorlesungen oder konkretem Coaching.

 

Die Studie soll im Zweijahresrhythmus wiederholt werden. Die Autoren erhoffen sich mit dieser Erhebung eine Erfolgskontrolle der im Frühjahr 2004 gestarteten Fördermassnahmen des Bundes an Universitäten und Fachhochschulen. (mü)

 

www.kmu.unisg.ch