Erscheinungsort:         HandelsZeitung

Erscheinungsdatum:    19. Oktober 2005

 

 

Zu viel erwartet

UMFRAGE   Eine ETH-Studie zeigt, dass bei Umstrukturierungen unnötige Unsicherheit produziert wird

 

Stefan Müller

  

Der Druck in der Arbeitswelt ist gross. Die Liberalisierung fordert ihren Tribut. Entsprechend verunsichert sind viele Beschäftigte. Eine soeben durchgeführte ETH-Studie der Forschungsgruppe Organisation-Arbeit-Technologie ging der Frage nach, wie sich die betrieblichen Veränderungsprozesse respektive die flexible Beschäftigung auf Mitarbeitende auswirken.

    Die Erhebung ergab, dass die Erwartungen der Mitarbeitenden und das Angebot der Firmen sich nicht decken: Die meisten Mitarbeitenden sehen ihre Erwartungen nicht erfüllt, beispielsweise hinsichtlich persönlicher Entwicklungsmöglichkeiten, Sicherheit und Bindung sowie Einbezug bei Entscheidungen.

    Führungskräfte und Personalverantwortliche waren jedoch der Meinung, dass die Angebote des Unternehmens den Erwartungen der Mitarbeitenden entsprächen. „Es ist auffallend, dass die Einschätzungen beider Parteien durchweg deutlich auseinander klaffen“, betont die wissenschaftliche Mitarbeiterin Anette Wittekind.

 

Besser kommunizieren

Aus diesem Grund empfiehlt sie den Arbeitgebern, unbedingt besser zu kommunizieren. Den Mitarbeitenden müssten offen die Möglichkeiten und Grenzen des Unternehmens aufgezeigt werden. Wie kann sich etwa der Mitarbeitende am besten weiterentwickeln, im Betrieb oder auch ausserhalb?

    Das bedeutet laut der Diplompsychologin nicht nur Weiterbildungskurse, sondern ebenso eine Verbreiterung der Aufgaben- und Einsatzbereiche für die Mitarbeitenden. „Dies ist besonders wichtig für KMU, die sich Weiterbildungen nicht leisten können." Auf diese Weise vermindern sich nämlich Angst und Verunsicherung und zugleich erhöhe sich die „Arbeitsmarktfähigkeit“ der Beschäftigten.

    Positiv wurde hingegen Anette Wittekind von der Tatsache überrascht, dass "das Problem des Burn-out für die Mitarbeitenden nicht gravierend ist, auch nicht bei Unternehmen mit Personalabbau.“ Müdigkeit und Erschöpfung sowie Gleichgültigkeit der Arbeit gegenüber stufen die Befragten nämlich als gering ein. Ihre eigene Leistungsfähigkeit erachten sie als hoch.

      Mit weiteren zwei Befragungen bis Herbst 2006 wollen die Forscherinnen  Aussagen darüber machen können, wie Umstrukturierungen möglichst  mitarbeiterfreundlich durchgeführt werden können.

 

Weiterführende Informationen unter: Anette Wittekind, Telefon 044 632 78 40, awittekind@ethz.ch