Erscheinungsort:         Caritas Aargau

Erscheinungsdatum:    Mai 2003

 

 

Arbeiten, solange die Gesundheit mitspielt

 

Schlechte Erfahrungen: Sozialhilfe wurde
 verweigert

 

Mit sieben Teilzeitjobs versucht die aus Kanada eingewanderte Cheryl Schenk, sich und ihre drei Kinder über die Runden zu bringen. Keine leichte Aufgabe.

 

Stefan Müller

 

Cheryl Schenk kommt mit ihrem Hund herbeigeeilt und bedeutet mir zu warten, bis sie den Vierbeiner auf den Balkon gesperrt habe. Er sei bei Männern immer sehr aufgeregt, entschuldigt sie sich.

Die 44-jährige Cheryl Schenk, konnte sich gerade für eine Stunde freimachen von den sieben verzettelten Teilzeitjobs, verteilt auf eine 6-Tage-Woche. Geld verdienen wurde für die Mutter von drei schulpflichtigen Kindern zur vordringlichsten Sache. Da die gelernte Innenarchitektin, die 1986 von Kanada in die Schweiz zog, keine Stelle auf ihrem Beruf findet, arbeitet sie als Englischlehrerin, Putzfrau, Hauswartin oder am Buffet eines Restaurants. „Solange die Gesundheit mitspielt, geht das“, stellt Cheryl Schenk mit unüberhörbarem Englischakzent fest. Wie als Bestätigung miaut auf dem Fenstersims „Pünktli“, die Katze.

 

 

Auf keinen Fall Sozialhilfe

 

Gleichwohl sorgt sich Cheryl Schenk ständig um den Lebensunterhalt ihrer Familie. Die vielen Jobs geben ihr keine Sicherheit. Das Eis ist dünn. Fällt nämlich eine Englischstunde aus oder sollte einmal die Gesundheit nicht mitspielen, kommen die durchschnittlich 3500 Franken pro Monat nicht mehr zusammen. Und es wird noch knapper für die vierköpfige Familie. Die beiden ältesten Kinder, der 17-jährige Mario und die 15-jährige Raeni, wohnen allerdings beim geschiedenen Vater ohne Sorgerecht. Cheryl Schenk: „Trotz den bescheidenen Verhältnissen fühle ich mich innerlich glücklich. Meine Kinder haben mit der Situation hingegen mehr Mühe.“

            Die Vorstellung, im Notfall Sozialhilfe beziehen zu müssen, empfindet sie als unerträglich. Vor ein paar Jahren, als sie in einer anderen Aargauer Gemeinde lebte, war sie auf diesen „Notgroschen“ angewiesen. Die Gemeinde weigerte sich, die Notlage für zwei Monate zu überbrücken. Erst nach langem Streiten – bis vor den Regierungsrat – und zwei Nervenzusammenbrüchen wurde ihr die Sozialhilfe zugestanden. Doch da war die Familienmutter schon in Teufelsküche. „Alles ging zu Grunde: mein Nähatelier, das ich betrieb, die Familie und meine Gesundheit“, resümiert Cheryl Schenk verbittert.

 

 

Lernte zu kämpfen

 

Seit der Scheidung bereiten ihr nicht nur das finanzielle Auskommen der Familie Kopfzerbrechen, sondern auch ihr Jüngster, der 10-jährige Julian. Julian macht die Scheidung am meisten zu schaffen. Er leidet stark darunter. Auf Wunsch der Mutter konnte er die dritte Klasse wiederholen und wieder etwas zur Ruhe kommen. Vor lauter Arbeiten fehlt der Mutter die Zeit, sich mehr um Julian zu kümmern.

Cheryl Schenk pflegte von Kindheit an ihre Probleme im Alkohol zu ertränken. Bis sie vor sechs Jahren zur Einsicht gelangte: „So geht das nicht mehr weiter!“ Von einem Tag auf den anderen gab sie das Trinken auf. Ebenso radikal entsagte sie sich zwei Jahre später ihrer Zigarettensucht. Diese Willensstärke erklärt sich Cheryl Schenk so: „Meine schwere Kindheit lehrte mich zu kämpfen!"

 

 

Lichtblicke

 

Es gibt jedoch auch unbeschwerte Momente im Leben der gläubigen Christin. Wenn sie zusammen mit Julian und ihrem Hund „Aramis“ spazieren geht oder beim Malen, Singen und Tanzen. Zudem hat sie für nächsten Sommer die Rückkehr nach Kanada ins Auge gefasst, wo sie noch viele Freunde hat und sich ein besseres Leben erhofft.

            Endlich darf er den Gast beschnuppern: Aufgeregt stürzt „Aramis“, der gutmütige Bastard, in die Stube, erledigt sein „Geschäft“ und legt sich befriedigt in seinen Korb. - Hoffnung lohnt sich immer. (mü)