Erscheinungsort:         HandelsZeitung

Erscheinungsdatum:    10. August 2005

 

 

Gute Gesundheit verbessert das Geschäft

Die Gesundheit des Mitarbeiters gerät zunehmend ins Blickfeld der Arbeitgeber. Dies hat weniger mit Idealismus zu tun als  handfesten finanziellen Interessen.

Stefan Müller

 

Auf einen investierten Franken kommen vier bis fünf Franken zurück – also eine Gewinnmarge von über 400 Prozent. Eine solche Marge sollen Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter abwerfen laut einer Studie, die der deutsche Bundesverband der Betriebskrankenkassen in Auftrag gegeben hat. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen amerikanische Arbeitsmediziner im Jahr 2001. Sie belegen ebenfalls einen positiven „Return on Investment“: in einem Zeitraum von acht Jahre kommt mindestens das Dreifache der Investition zurück. Diese Ergebnisse lassen sich grosso modo auf Schweizer Verhältnisse übertragen, zumal hierzulande das Zahlenmaterial noch sehr dürftig ist.

 

Hohes Sparpotenzial

„Es sind vor allem finanzielle Überlegungen, weshalb die Arbeitgeber vermehrt auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten“, erklärt Marie-Louise Schlapbach, Projektleiterin betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) des Instituts für Arbeitsmedizin. Nachdem die Unternehmer nach der Phase des Lean-Managements der 90er-Jahre festgestellt haben, dass die Arbeitnehmenden immer häufiger krank werden, begannen sie sich über die Kostenfolgen Gedanken zu machen. Wiederum verglichen mit Deutschland gehen in der Schweiz schätzungsweise rund 7 Mia. Franken durch krankheits- und unfallbedingten Absenzen jährlich verloren. Dies schmälert das Bruttoinlandprodukt um 4,2 Prozent oder 18 Mia. Franken.

            So erstaunt es nicht, dass ein Unternehmer ein vitales Interesse daran haben muss, seine Mitarbeitenden gesund und motiviert und damit leistungsfähig zu erhalten. Jetzt fragt sich der Unternehmer natürlich, was kostet mich betriebliche Gesundheitsförderung und was bringt sie mir ein? Mit folgendem Kostenbeispiel erläutert die Arbeitspsychologin Marie-Louise Schlapbach den finanziellen Nutzen: Ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden weist eine jährliche Lohnsumme von 50 Mio. Franken und eine Rate von 3 Prozent Krankheits- und Unfallabsenzen auf. Das BGF-Projekt kostet 45'000 Franken, was im Wesentlichen die Schulung der Führungskräfte beinhaltet. Das Einsparungspotenzial dank BGF und der damit verbundenen Absenzen-Senkung von 15 Prozent beträgt 675’000 Franken pro Jahr, was die Kosten des BGF-Projekts bei weitem übersteigt.