Erscheinungsort:         Astrea

Erscheinungsdatum:    Juli 2005

 

 

„Die ersten Anzeichen nicht ernst genommen“

 

Ein Bandscheibenvorfall warf Barbara Marty rund ein halbes Jahr aus dem Arbeitsprozess. Dank einem verständnisvollen Umfeld und einem aufmerksamen Arzt kam die 29-Jährige gut über die Runden. Damit sie keinen Rückfall mehr erleidet, hat sie sich einiges vorgenommen.

 

Stefan Müller

 

Es begann mit einem schmerzhaften Ziehen im Kreuz, vielleicht zwei bis drei Tage, dann wars wieder vorüber. Barbara Marty nahm diese ersten Symptome nicht sonderlich ernst, zumal „ein wenig Rückenschmerzen für eine Pflegefachfrau normal sind“, dachte sich die 29-Jährige zu Beginn. Das war vor vier Jahren. Wenn die Schmerzen einmal stärker wurden, behalf sie sich mit Schmerzmitteln. Ein Jahr später sah sie sich indessen gezwungen, zum Arzt zu gehen. Der Allgemeinpraktiker diagnostizierte ein versteiftes Wirbelgelenk und verschrieb ihr ein paar chiropraktische Griffe, die er gleich selbst ausführte. Die Schmerzen verschwanden nicht. Sie kamen und gingen weiterhin, nötigenfalls mit einer Pille. „Am besten half mir immer das Reiten“, sagt die passionierte Reiterin, die normalerweise mindestens dreimal die Woche auf ihrem Pferd sitzt.

 

„Übeltäter“ wird überführt

Ein weiteres Jahr zog ins Land. Mittlerweile half selbst das Reiten nicht mehr. Barbara Marty konnte weder Reiten noch Sitzen, noch ihren Haushalt führen, geschweige denn ihrem Beruf als Krankenschwester nachgehen. Eine Freundin empfahl ihr schliesslich einen Rheumatologen aufzusuchen. Der Arzt handelte dann rasch, schickte Barbara Marty umgehend für eine Magnetresonanztomografie (MRI) ins Spital, und die brachte es schwarz auf weiss an den Tag. Die Diagnose hiess: Diskushernie oder Bandscheibenvorfall (siehe Kasten). Die verletzte Bandscheibe verursachte nicht nur starke Schmerzen im Kreuzbereich, sondern auch ausstrahlende Schmerzen in die Beine.

            Der Rheumatologe verordnete der Patientin dreimal wöchentlich Physiotherapie, die ersten vier Wochen vor allem manuelle Therapien und besondere Weichteiltechniken, unterstützt durch Wärmebehandlungen. So sollte die angewöhnte Schonhaltung, die zu zusätzlichen Verspannungen führte, gelöst werden. Diese Behandlungsart wurde allmählich abgelöst durch eine Aktivbehandlung im Sinne eines Stabilitätsaufbaus. Nun hiess es: mobilisieren und kräftigen. Die letzten Wochen der mehrmonatigen Behandlung beinhaltete vorab Medizinische Trainingstherapie. Dabei ging es in erster Linie um den Aufbau der Rückenmuskulatur.

            Allmählich gingen die Schmerzen zurück, und auf die gefürchtete Kortisonspritze konnte die Krankenschwester vorderhand verzichten. Schrittweise nahm sie die Arbeit bei der Spitex wieder auf, zuerst zwanzig, dann fünfzig und schlussendlich wieder im Umfang von achtzig Prozent wie vor der Erkrankung. Sie begann auch wieder zu Reiten – „endlich“, dachte die leidenschaftliche Reiterin.

            „Mir ging es in den ersten vier Wochen der Schmerzattacke wirklich ziemlich übel“, erinnert sich Barbara Marty. „Jedes Holpern im Tram liess mich Zusammenzucken, der Gang zum Arzt war die reinste Tortur.“ Im Haushalt musste ihre Freundin zur Hand. „Putzen, Einkaufen – nichts ging mehr“, schaudert es sie noch jetzt. „Die Physio brachte allerdings rasch Linderung. Nach etwa einem halben Jahr war das Gröbste ausgestanden.“ Einen erneuten Rückfall gab es jedoch zu verzeichnen, beim Staubsaugen. Sie musste wieder von vorne beginnen und war sogar bereit, vorübergehend Kortisontabletten zur Schmerzlinderung einzunehmen. Gleichwohl sei dies dann der Anfang der Besserung gewesen, bilanziert sie heute.

 

Guter Arzt – verständnisvolle Freunde

Was hat ihr am meisten über die Runden geholfen? „Ich fühlte mich von meinem Arzt ernst genommen“, streicht sie hervor. Weiter habe sie gute Leute um sich gehabt, die Verständnis aufbrachten. Freunde und Freundinnen sowie die Eltern seien hilfsbereit eingesprungen. Auch wenn sie manchmal „hässig“ war. „Da habe ich Glück gehabt“, stellt sie rückblickend fest. Ausserdem hätte auch ihr Arbeitgeber Rücksicht auf sie genommen. So wurde sie von schweren Fällen, was die Rückenbelastung anbelangt, entlastet. „Alles in allem ein super Umfeld“, fasst Barbara Marty zusammen.

            „Heute geht es mir vom Rücken her picobello“, sagt sie. Damit es möglichst so bleibt, hat sie sich einige Dinge vorgenommen. Sie hat von ihrer Physiotherapeutin ein Heimturnprogramm zusammengestellt bekommen, das sie täglich ausübt. „Eine starke Rückenmuskulatur ist das A und O“, erklärt sie.

            Ferner hat sie realisiert, dass grosser Stress sich ungünstig auf ihren Rücken auswirkt. Sie nimmt sogar an, dass private und berufliche Belastungen Auslöser für ihre Diskushernie waren. Diese Erkenntnis möchte sie vermehrt in ihren Berufsalltag einbauen, was nicht nur bedeute, rückenschonender zu arbeiten, sondern sinnvoller mit Stress umzugehen. Man müsse manchmal Nein-Sagen, sich überhaupt mehr in den Vordergrund stellen können, „keine Selbstverständlichkeit in meinem Beruf“.

            In ihrer Freizeit erholt sich Barbara Marty mit Salsa-Tanzen und vor allem mit Reiten. Und sie geniesst ihre lebhafte Wohngemeinschaft. Sie lebt zusammen mit ihrer Freundin, zwei Kindern in einer grossen Wohnung in Zürich. Zu den menschlichen Bewohnern gesellen sich eine ganze Reihe von Haustieren: Hasen, Meerschweinchen, Katzen und ein Hund und natürlich das Pferd.

 

 

 

Kasten

 

Wenn die Bandscheibe müde wird

 

Die von Bändern gehaltenen Bandscheiben, die als Stossdämpfer in der Wirbelsäule fungieren, zeigen mit zunehmenden Alter Verschleisserscheinungen. Sie verlieren Feuchtigkeit, werden dünner, verhärten und werden beschädigt. Dann kommt es vor, dass der Faserring um den Gallertkern reisst oder die ganze Bandscheibe sich vor die Kante der Wirbelknochen wölbt, das Längsband auswölbt oder durchbricht. Der Bandscheibenvorfall kann auf diese Weise nicht nur die dortige Durchblutung stören, sondern auch Nerven des Rückenmarks einklemmen oder gar beschädigen. Dies verursacht starke Schmerzen und manchmal sogar Lähmungen.